Wieso Sie auch ohne Tischtennisplatte im Office erfolgreich sein können

Wieso Sie auch ohne Tischtennisplatte im Office erfolgreich sein können

Im Juli 2017 unterhielt ich mich mit einem Professor der Hochschule für Wirtschaft und Recht über Arbeitsorganisation und verschiedene Strukturen für Teams. Herr Malte Prien ist jedoch kein weißbärtiger alter Mann, der ganz langsam redet und sich am liebsten selbst zuhört. Er sagt, dass …es unglaubwürdig ist, wenn Professoren und Berater anderen das Unternehmertum näher bringen möchten, aber selbst darin keine Erfahrung haben. Deshalb hat er eigene Unternehmen und bringt anderen Menschen bei, was er selbst durchlebt und ausprobiert hat. In diesem Punkt sind wir auf der gleichen Wellenlänge und das Gespräch war dementsprechend konstruktiv. Besonders interessant fand ich seine Frage an mich:

Als Offizier hast du die starken Hierarchien kennen gelernt und in deiner Startup Arbeit hast du Teams ohne jegliche Hierarchien organisiert – was ist denn nun besser?

Meine Antwort war sofort klar: es gibt sie nicht, die „beste“ Organisationsform. Es gibt immer nur passende und unpassende Organisationsformen für verschiedene Vorhaben. Daraus entspringt die Frage wann welche Organisationsform angebracht sei. Wenn es um die Hierarchiestärke (abgestuft von streng nach Rang bis hin zu Selbst-Organisation ohne Chef) geht, mache ich es an der kognitiven Komplexität der Aufgabe fest.

Ein Beispiel: Ich behaupte, dass man in einer Butterfabrik, die einfach nur Butter nach einem festen Verfahren und bekannten Qualitätsmerkmalen produzieren soll,  keinerlei „agile Arbeitsmethoden“ und „Tischtennisplatten im Office“ und „Nap-Pods“ braucht. In einer solchen Butterfabrik reichen einfache, transparente und starke Hierarchien und jede offene Diskussion würde dem Prozess schaden. Es steht nun mal nicht zur Debatte, wohin das Fließband fährt. Ganz anders verhält es sich in der Zentrale des Butterfabrikanten, wo ein Ingenieurteam mit immer effizienteren und günstigeren Produktionsmethoden glänzen soll. Dieses Team braucht kreativen Raum und eine Arbeitsorganisation, die es ihm ermöglicht den Status Quo herauszufordern.

Welche Organisationsart für Ihr Unternehmen bzw. für jede bestimmte Abteilung in Ihrem Unternehmen die richtige ist, müssen Sie selbst herausfinden und festlegen. Beachten Sie dabei, dass mit einer steigenden kognitiven Herausforderung der Bedarf an Selbstorganisation und Autonomie der Teammitglieder ansteigt. Menschen entfalten Ideen besser, wenn Sie herausgefordert sind eigene Lösungen zu schaffen, nicht wenn sie angewiesen werden wie sie was wann und wo zu tun und zu lassen haben. Auf der anderen Seite braucht es in bestimmten Situationen und Abteilungen nur Umsetzung ohne stetiges Hinterfragen (zum Beispiel am Fließband). Dort sehe ich hierarchisch starke Organisationen im Vorteil, weil sie Reibungsverluste durch unnötige Diskussionen im Team ausschließen.

Bedenken Sie jedoch, dass es eine Schwelle an „Stumpfsinn“ gibt, ab welcher der Mensch psychisch zerfällt. Wenn Sie einen Mitarbeiter also ohne Mitsprache und ohne Meinungsraum monatelang immer die gleiche Schraube einschrauben lassen und das auch noch im Schichtdienst, haben sie geistigen Mord begangen, denn Sie haben diesen Menschen innerlich zerstört.

Bevor Sie sich in eine Organisationsstruktur hineinsteigern, klären Sie für sich, welche kognitive Leistung Sie von Ihrem Team erwarten. Beschreiben Sie die Tätigkeiten und ihre Erwartungen im Detail: Von wem und wann erwarten Sie fristgerechte unangefochtene Ausführung der Aufgaben, von wem und wann brauchen Sie eine Diskussion über bessere Lösungswege? Wenn Sie dies herausgefunden haben, können Sie daran ausrichten, wie offen oder geschlossenen die Organisation des jeweiligen Teams sein soll – und ob sie wirklich eine Tischtennisplatte brauchen.

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