Der Weg zum Offizier [Tag 1]

Als wir aus dem Bus ausstiegen, schien die Sonne und ein warmer Wind erfrischte uns angenehm. Der erste Tag an der Offiziersschule der Luftwaffe fing sehr gut an. Ungeordnet, uneingewiesen und unwissend irrten wir Anwärter vom großen Parkplatz, wo man uns entladen hatte, hin zur Anmeldung und verteilten uns auf unsere Zimmer. Aber…

Aber es hieß nicht mehr Zimmer. Es dauerte keine fünf Minuten, bis ein Unteroffizier einigen fragenden Gesichtern in sehr bestimmtem Ton deutlich machte: Sie werden auf 2-Mann-Stuben untergebracht. Ein Zimmer kriegen Sie im Hotel! Wie in jeder anderen Gemeinschaft gibt es auch bei der Bundeswehr Wörter und Begriffe, die man nur dort nutzt. Das unterstreicht natürlich auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Ein Element aus dem modernen Teambuilding, aber wem erzähle ich das? Das Militär macht seit Anbeginn der Menschheit nichts anderes: Teambuilding.

Endlich angekommen fingen wir gleich an, uns einzurichten. Außerdem teilte man uns den Dienstplan für die Woche aus und gab uns einige allgemeine Informationen zum Ablauf der Ausbildung. Der Auftrag für den Rest des Tages war es, uns in unseren Stuben einzurichten und die Kameraden, mit denen wir die nächsten zwölf Monate sehr intensiv zusammenarbeiten würden, kennenzulernen.

Am späten Nachmittag, nach nur sechs Stunden an der Offiziersschule, kehrten jedoch manche Anwärter wieder um und fuhren nach Hause. Ich war überrascht, wie schnell einige offenbar wussten, dass es ihnen nicht gefallen würde. Ernsthaft ins Zweifeln kam ich aber erst, als ich erfuhr, warum sie gegangen waren.

“Haare kurz schneiden? Jeden Morgen früh aufstehen? Nicht mit mir!”

Offensichtlich waren diese jungen Männer nicht bereit, sich oder ihre Gewohnheiten für die von ihnen angestrebte Karriere zu verändern. Und auf der einen Seite finde ich es gut, an seine Vorlieben festzuhalten und nicht ein Fähnchen im Wind zu sein, welches sich allen anderen Menschen anbiedert. Aber hier ging es um etwas anderes. Und es ist ein universeller Gedanke, der mit der Armee nichts zu tun hat: Sich zu entwickeln bedeutet immer, sich zu verändern. Und wenn man nicht bereit ist, Veränderungen hinzunehmen, wird man sich nicht entwickeln können. Das fängt beim Aufstehen in der Früh an und endet schließlich mit unseren Weltanschauungen. Wenn wir vorankommen wollen, müssen wir eine gewisse Veränderung hinnehmen. Und wenn wir die Veränderungen planen, unseren Zielen anpassen und sie bewusst durchlaufen, dann werden wir unweigerlich unsere Ziele erreichen.

Bleibt nur noch die Frage: Was wollen wir als nächstes an uns ändern?

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