Das Feedback: die Symphonie der Führungskraft [Teil 1]

Die Feedback Symphonie

Das ungeliebte Kind in der Werkzeugkiste der Führung ist das Feedback-Gespräch. Zu Unrecht, denn das Feedback-Gespräch ist womöglich das wichtigste Werkzeug, um langfristig erfolgreiche Teams aufzubauen. Als Anführer/in musst du diese Gespräche beherrschen! Das Feedback muss deine Symphonie werden und mit diesem zweiteiligen Blogpost möchte ich dir helfen deine Töne und deinen Takt zu finden.

Vergiss die alten Regeln

Zunächst müssen wir einige Dinge vergessen. Viele konservative Führungskräfte tragen eine ganze Tasche voll dummes Zeug mit sich herum. Ganz gravierend ist das beim Thema Feedback. Hier sitzen solch furchtbare Ideen tief in der Führungsmentalität, dass ich mich gezwungen fühle die schlimmsten drei offen anzusprechen.

Kein Fast-Food, sondern eine Symphonie

Ganz oben auf der Liste steht das berühmte Sandwich-Prinzip: ein bisschen loben, ein bisschen kritisieren, wieder ein bisschen loben. Diese Methode wird immer wieder eingesetzt, um Kritik zu überbringen. Dieser Umgang mit dem Feedback als Fast-Food zertört Teams. Glaubst du wirklich, dass ein Mensch, der dir zuhört, dies nicht durchschaut? Wie glaubst du fühlt sich jemand, wenn er/sie weiß, dass du am Anfang und am Ende nette Dinge gesagt hast, um die schlechten Dinge, die eigentliche Botschaft, zu verpacken? Diese Vorgehensweise wirkt geheuchelt und sie motiviert zudem die Führungskraft sich oberflächlich, positive Dinge auszudenken. All das ist wirklich schlecht für dich, wenn du ein Top-Team aufbauen möchtest. Deshalb musst du unbedingt begreifen, dass Feedback kein Fast-Food ist, welches schnell verzerrt wird. Es ist deine Symphonie und diese Kunst ist aufwendig, braucht Zeit und Übung.

Kritisieren ist nur die Hälfte

Kommen wir zum nächsten Vorurteil, welches du aus deinem Bewusstsein verbannen musst: Feedback-Gespräche sollen Mängel abstellen. Das bedeutet, dass du nur ein solches Gespräch organisierst, wenn es Mängel gibt, die du abstellen willst. Falscher Ansatz! Denn so wird das Feedback automatisch mit einem “Kritikgespräch” gleichgesetzt und der erste Reflex ist eine Abwehrhaltung. Deine Teammitglieder werden sofort Distanz aufbauen und sich wehren. Schließlich hört sich niemand gerne an, was er/sie alles falsch gemacht hat. Löse also das Wort Feedback vom Wort Kritik. Du musst auch dann Feedback geben, wenn alles wirklich gut läuft.

Den Kontext nicht verlieren

Kommen wir zum dritten falschen Ansatz: Teammitglieder kommen zu dir ins Gespräch, um sich Feedback abzuholen. Das “perfekte Gespräch” ist gar nicht das große Gespräch bei dir im Büro. Um genau zu sein sind es viele kleine Gespräche an den Orten des Geschehens, also im Kontext. Insgesamt ist es ein großer Dialog, der in regelmäßigen Abständen unterbrochen und später fortgesetzt wird. Achte darauf einen geschützten Raum einzuhalten, zum Beispiel indem du das Teammitglied kurz unter vier Augen sprichst. Trenne dich aber nicht zu stark vom Geschehen, räumlich oder zeitlich. Wenn du einen Vortrag evaluieren möchtest, ist es völlig legitim in der Pause des Meetings kurz mit der betroffenen Person einen Kaffee zu holen oder eine Zigarette zu rauchen (bei Rauchern). Die anderen aus dem Team müssen nicht hören, was du zu sagen hast. Du darfst dein Feedback aber nicht tagelang (oder wochenlang) zurückhalten. Es verliert an Genauigkeit und es wird seinen Effekt gar nicht entfalten können, wenn das Geschehen zu weit weg ist.

Unterm Strich: Feedback…

  1. …ist nicht hübsch verpackte Kritik; es ist ein komplexes Werkzeug und braucht Zeit und Übung.
  2. …dient nicht dem Abstellen von Mängeln; es dient der Verbesserung deiner Teammitglieder.
  3. …findet nicht isoliert im Büro des Chefs statt; es findet immer wieder im Kontext des Geschehens statt.

Aufbau deiner Feedback-Symphonie

Nachdem wir die Vorurteile ausgeräumt haben, werden wir uns im zweiten Teil den Tönen und Takten widmen, die du wirklich brauchst. Du musst dich jetzt nur ein paar Tage bis zur Veröffentlichung gedulden 😉.

(Photo by Alex Holyoake on Unsplash)

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