Hierarchie in Startups

Hierarchie: beherrscht du sie oder sie dich?

Ich kann es nicht beweisen, aber ich behaupte, dass es in jedem Team irgendeine Form der Hierarchie gibt. In manchen formlosen Gruppen von Menschen ist es vielleicht nicht eindeutig. In Unternehmen ist es jedoch offensichtlich. Denn jedes Unternehmen ist verpflichtet gewisse Positionen zu verteilen. Es muss mindestens einen Geschäftsführer (CEO) geben. Gleichzeitig verlangen externe Partner und vor allem Investoren eine ganze Reihe von Positionen. Inzwischen ist es auch hier in Deutschland üblich die englischen Abkürzungen zu nutzen: COO, CFO, CTO und viele weitere. Hier kannst du übrigens nachlesen, was diese Abkürzungen bedeuten und so herausfinden, welches Personal du suchst. So viele Positionen bieten natürlich jede Menge Entfaltungspotenzial für die Hierarchie.

Dabei ist Hierarchie nicht automatisch etwas schlechtes oder böses. Sie ist, wie so viele andere Dinge im Leben auch, erstmal nur ein Werkzeug. Wenn wir sie richtig nutzen, können wir von ihr profitieren. Wenn wir uns jedoch treiben lassen, entwickelt die Hierarchie eine Eigendynamik, die wir nur schwer wieder aufhalten. Deshalb musst du darauf achten: beherrsche sie oder sie wird dich beherrschen!

Was deine Mitarbeiter/innen brauchen: Ordnung und Ruhe

Damit ist jedoch nicht gemeint, dass die du schläfrige Musik und saubere Sessel zum Entspannen im Büro brauchst. Ordnung und Ruhe sind die auf organisatorischer Ebene entscheidenden Aspekte, die nichts mit Gemütlichkeit zu tun haben. Widmen wir uns zunächst der Ordnung. Sie betrifft die Zuständigkeiten im Team. Wer macht was? Wer ist verantwortlich für bestimmte Fragen und Probleme? Wessen Entscheidung ist endgültig? Es ist ein Desaster, wenn zwei Führungskräfte sich in ihren Anweisungen widersprechen und das Team in der Mitte feststeckt. Es sollten klare Absprachen getroffen werden, damit alle im Team wissen, an wen sie sich wenden können und wessen Entscheidung endgültig ist. Das ist besonders wichtig, wenn du zum Beispiel von deiner Jahresplanung abweichen musst.

[Pro-Tipp] Beim Militär nutzen wir den Dienstgrad und unsere Funktionsstruktur, um hier Ordnung reinzubringen. Das kannst du in deinem Unternehmen auch ohne Dienstgrade umsetzen. Erstelle dazu ein sauberes Diagramm. Darauf sollte vermerkt sein, an wen sich die Teammitglieder in Notfällen, bei Problemen wenden können. Frage dich: Wer sollte den Hut aufhaben, wenn es brennt?

Gib deinem Team die nötige Ruhe

Als nächstes wollen wir betrachten, was es mit der Ruhe auf sich hat. Die Mitarbeiter/innen in deinem Team können ohne Zweifel große Herausforderungen meistern. Aber als Teamführer/in darfst du Herausforderungen und Stress nicht verwechseln. Negativer Stress entsteht dann, wenn es interne Streitigkeiten gibt. Dann kann sich niemand den kreativen Problemen widmen. Nehmen wir das Beispiel von vorhin: zwei Führungskräfte treffen widersprüchliche Entscheidungen. Diese Situation kann nun weiter verschlechtert werden, wenn die Führungskräfte das Team für den Widerspruch beschuldigen. Die Mitarbeitenden werden nun die Führung fürchten. Das darfst du auf gar keinen Fall zulassen. Wie soll das Team produktiv sein, wenn alle Angst voreinander haben? Und wie soll das Team Fehler rechtzeitig ansprechen, wenn niemand sich traut offen miteinander zu reden? Ruhe bedeutet, dass du deine Mitarbeiter/innen beruhigen sollst und ihnen die Angst abnehmen musst. Sei ein Schutzschild für sie.

Was eine gute Hierarchie mit Führungskräften macht

Nach der Betrachtung der Teammitglieder folgt nun die Betrachtung der Führungskräfte. Was passiert mit ihnen, wenn du eine positive, gesunde Hierarchie andwendest? Und was kann passieren, wenn du den Überblick verlierst und sie dich auf einmal beherrscht? Das lässt sich sehr gut an zwei Kernthemen demonstrieren: Jobtitel und harte Entscheidungen.

Warum vergibst du Titel?

Diese Frage musst du dir auf jeden Fall beim Aufbau deines Teams stellen. Wozu soll es gut sein einer Person einen besonderen Titel zu geben? Verstehe mich dabei nicht falsch: Die Vergabe von Jobtiteln kann zielführend sein. Du solltest sie aber nur andwenden, wenn es wirklich sein muss. Nutze Titel, die du vergibst, um sinnvolle Unterscheidungen zu kommunizieren. Eine sehr gute Lösung habe ich im Team von Clangmusic.com erlebt. Dort gab es drei Titel: Junior Team Member, Senior Team Member und Freelancing Team Member. All Teammitglieder, die länger als ein Jahr im Team waren, waren “Senior”. Die Junior Team Member waren jene mit weniger als ein Jahr Arbeitszeit bei Clang. Die Freelancing Team Member waren tatsächlich Freelancer, die nur auf Zeit für Clang gearbeitet haben, unabhängig, wie lange sie schon dabei waren. Wozu diese Aufteilung? Ganz einfach: sobald ein Junior Teammitglied Rat gesucht hat, konnte es sich orientieren. Für Fragen zum Unternehmen selbst waren die Senior Team Member hilfreich, weil sie lange genug dabei sind. Wenn es um Fachexpertise ging, dann waren die Freelancing Team Member gefragt, denn sie sind Profis in der Materie. Auf diese Weise haben die Titel dem Arbeitsprozess geholfen.

Wer oben sein will, muss die Bürden tragen

Das zweite Kernthema für Führungskräfte und der gesunden Hierarchie betrifft harte Entscheidungen im Unternehmen. Immer wieder muss jemand eine von zwei Optionen auswählen. Dabei werden die Informationen nur mager sein, der Ausgang offen und im schlimmsten Fall führt die Entscheidung zu finanziellen Verlusten. Ja, das gehört zum Leben einer Führungsperson dazu. Du kannst nicht immer richtig liegen und du musst bereit sein den Fehler zu tragen. Eine gesunde Hierarchie wird die Führungskräfte darin schulen und darin bestärken, dass sie die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen. Ein Teamleiter, der immer wieder seine Fehler auf das Team abwälzt und anderen die Schuld gibt, hat seinen Titel nicht verdient. Er ist toxisch und bedient sich der Hierarchie, um eigene Vorteile zu erspielen. Die Führungskräfte in deinem Unternehmen müssen also gleich zu Anfang aufgeklärt werden: Die erhöhte Position hat ihren Preis, wer nicht bereit ist, ihn zu zahlen, ist nicht geeignet.

Und wie baust du eine gesunde Hierarchie auf?

Dafür gibt es natürlich keine Patentlösung, die immer anwendbar ist. Viel zu unterschiedlich sind alle Unternehmen und viel zu unterschiedlich sind alle Menschen. Jedes Unternehmen braucht eine eigene Version der Organisation. Ich beschreibe es als “Spektrum der Hierarchie” auf dem man sich bewegt. Denn nirgendwo heißt es: Diktatur oder Anarchie. Es geht um die Nuancen zwischen diesen beiden Extremen und darum, jeden Einsatz dieses Werkzeugs begründet und wohlüberlegt zu tätigen. Konkret kann ich dir also nur empfehlen: fange bei Null an. Nimm dir ein leeres Blatt und beschreibe, grafisch oder als Text, was du mit deiner Unternehmensorganisation erreichen willst. Dann kannst du aus der Palette der Hierarchie die richtigen Elemente für dich heraussuchen und einbauen. Und wenn sich ein Element im Nachhinein als toxisch entpuppt? Dann verändere es! Niemals darfst du eine Hierarchie beibehalten, nur weil es schon immer so war.

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