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Unternehmenskultur: ein praktische Ansatz, um sie zu verstehen.

In diesem Artikel zerlege ich den Begriff Unternehmenskultur in zwei Teile (Werte und Traditionen). Ich präsentiere so eine systematisierte Herangehensweise für die aktive Gestaltung einer positiven Kultur in deinem Team. 
Grigorii Gerdzhikov
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Neulich war ich in einer spannenden Diskussion mit unterschiedlichen Führungskräften vertieft. Dabei stellte ich fest, dass niemand wirklich weiß, was mit dem Wort Unternehmenskultur gemeint ist. Als genau diese Frage aufkam, machte sich Schweigen breit. Einige versuchten es zu definieren, konnten sich aber nicht einig werden, was in ihrem jeweiligen Unternehmen die „Kultur" sei. Sind es die Arbeitszeiten? Sind es die Feedback-Gespräche? Ist es nicht alles im Unternehmen? Richtig chaotisch wurde es bei der Frage, wie diese Kultur verändert oder aktiv gestaltet werden kann. Das Gespräch endete ohne ein klares Ergebnis und ich wusste, dass ich diese Frage unbedingt lösen muss. Dabei geht es mir nicht um eine sozialwissenschaftliche Definition und Erörterung, sondern um einen praktischen Ansatz, den Führungskräfte konkret in ihrer täglichen Arbeit einsetzen können.

Deine Unternehmenskultur macht dich erfolgreich

Die Unternehmenskultur ist, das spüren wir instinktiv, in allen Aktivitäten und Entscheidungen im Unternehmen involviert. Jedes Unternehmen hat eine innere Kultur, dagegen können wir uns gar nicht wehren. Spätestens, wenn jemand aus dem Team sagt „Das machen wir hier so“ wissen wir, dass unsere Teammitglieder zwischen dem dort draußen und dem hier drinnen unterscheiden. Muss sich jetzt jedes Unternehmen Berater einkaufen und viel Geld in die Unternehmenskultur stecken, um erfolgreich zu sein? Nicht unbedingt. Wir stellen aber fest, dass ein Unternehmen durch aktive Verbesserung seiner Kultur auf jeden Fall einen wirtschaftlich positiven Effekt erzielen wird. Wenn du dich als Führungskraft also fragst, warum du diesen Blogpost und die darin beschriebenen Tipps anwenden solltest, lautet die Antwort ganz simpel: eine bessere Unternehmenskultur macht dein Team erfolgreicher.

Die Unternehmenskultur besteht aus…

Die Kultur in einem Unternehmen ist nicht das Plakat in der Lobby, welches wir uns vor dem Bewerbungsgespräch einmal durchgelesen haben. Sie ist eine Idee, die im Unternehmen existiert und gelebt und weitergegeben wird. Manche Unternehmen und Teams haben das Glück durch die dynamischen zwischenmenschlichen Prozesse eine positive, konstruktive und angenehme Unternehmenskultur aufzubauen. Wir sehen das in den Handlungen der Teammitglieder, in den Entscheidungen der Führungskräfte und auch darin, wohin das Unternehmen geht. Um eine praktische und anwendbare Definition zu erstellen, möchte ich an dieser Stelle gar nicht weitersuchen, sondern das festhalten:

Unternehmenskultur besteht aus den Traditionen, die unsere täglichen Arbeitsabläufe bestimmen und aus den Werten, die unsere Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

Teil 1: Die Traditionen im Unternehmen

In jedem Team und in jedem Unternehmen gibt es wiederkehrende Muster. Diese Aktivitäten und Herangehensweisen werden unter dem Begriff "Traditionen" zusammengefasst. Sie stellen Rituale, also typische Handlungsweisen, dar und prägen die Unternehmenskultur, indem sie einen ganz bestimmten emotionalen Effekt beim Team bewirken.

Fangen wir mit einem einfachen Beispiel an. Im Unternehmen "Versicherung AG" überreicht der Teamleiter den Teammitgliedern an ihrem Geburtstag vor dem gesamten Team ein Geschenk. Der emotionale Effekt dieser Tradition ist eindeutig: die Führung zeigt den Teammitgliedern, dass sie persönlich wahrgenommen werden, denn der Geburtstag des/r Mitarbeiters/in keinerlei Auswirkung auf das Unternehmen hat, es ist nur für diese Person persönlich wichtig.

Traditionen sind aber nicht nur diese Gesten. Sie sind auch in alltäglichen "typischen Handlungsweisen" erkennbar. Wenn im gleichen Unternehmen "Versicherung AG" wurde die Gleitzeit eingeführt. Die Kernarbeitszeit ist von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr. Das gilt für alle Teams. Im ersten Team wurde daraufhin das wöchentliche Teammeeting von 08:30 Uhr auf 10:00 Uhr verschoben, damit die Teammitglieder die Gleitzeit nutzen können (um ihre Kinder zur Schule zu bringen). Im anderen Team wurde das Meeting nicht verschoben. Hier sehen wir zwei Teams im selben Unternehmen, die unterschiedliche Unternehmenskulturen pflegen. Im ersten Team wird hier eine typische Handlungsweise vorgelebt, die einen positiven emotionalen Effekt auf die Teammitglieder haben wird. Sie fühlen sich anerkannt in ihrer Doppelrolle (als fleißige Mitarbeiter/innen und als Eltern).

Zusammenfassend können wir sagen, dass Traditionen ALLE typischen Handlungsweisen im Unternehmen sind und sie immer einen emotionalen Effekt auf die Teammitglieder haben.

Teil 2: Die Werte im Unternehmen

Jede Regel hat eine Ausnahme. Entscheidend ist, wie wir mit der Ausnahme umgehen. Das bedeutet, dass unsere Traditionen im Unternehmen früher oder später nicht ausreichen werden. Dann kommen die Werte unserer Unternehmenskultur ins Spiel. Die Werte in einem Team können nicht ein paar Schlagwörter sein. Sie müssen definiert werden, um tatsächlich in schwierigen Situationen bei der Entscheidungsfindung helfen zu können.

Ein gutes Beispiel ist der Wert "Nachhaltigkeit". Neuerdings möchten alle Unternehmen gerne als besonders nachhaltig von den Verbrauchern wahrgenommen werden. Ob sie es aber wirklich sind, hängt massiv davon ab (1) wie sie diesen Begriff definieren und (2) ob die Führungskräfte in Momenten schwieriger Entscheidungen daran festhalten oder eben nicht. Nehmen wir also an, dass die "Versicherung AG" aus unserem obigen Beispiel diesen Wert in ihrer Charta hat. Er wurde jedoch nicht näher beschrieben.

Nun haben wir drei Teams und sie alle müssen die gleiche Herausforderung bewältigen: Kosten senken. Die erste Führungskraft sieht darin ein betriebswirtschaftliches Zahlenproblem. Sie sucht den größten Kostentreiber heraus (wahrscheinlich Personal) und entlässt die zwei Teammitglieder mit der niedrigsten Leistungsbewertung. Das Team hat jetzt einen höheren Bewertungsschnitt und die Kosten gesenkt. Hier wurde nicht Nachhaltigkeit sondern Leistungseffizienz als Wert vorgelebt.

Die zweite Führungskraft will Nachhaltigkeit vorleben und sagt, dass eine solche punktuelle Maßnahme nicht dauerhaft wirken wird. Deshalb beschließt sie, dass jedes Jahr die zwei schwächsten Teammitglieder gehen müssen. Auf diese Weise, so die Argumentation, würde das Team nachhaltig besser werden und lernen effizient zu arbeiten.

Die dritte Führungskraft sieht es anders. In ihrem Verständnis bezieht sich Nachhaltigkeit auf unseren Umgang mit Ressourcen. Deshalb beschließt sie, dass das Team intern komplett papierlos arbeiten muss und schafft alle Drucker und das Druckerpapier ab. Gedruckt werde nur, wenn ein Kunde eine Papierversion ausdrücklich wünsche, ansonsten werden E-Mails geschickt.

An diesem fiktiven Beispiel lässt sich sehr gut die Pointe darstellen: jedes Team hat eine eigene Kultur und Werte. Diese manifestieren sich, sobald wir als Führungspersonen Entscheidungen treffen. Unsere Entscheidungen verraten also unsere Werte. Wenn wir also nicht aktiv unsere Werte definieren und unsere Entscheidungen nicht darauf aufbauen, bauen wir eine zufällig zusammengestellte Unternehmenskultur, die womöglich toxische Werte enthält.

Aufruf an dich als Führungskraft

Jetzt musst du es selbst ausprobieren und versuchen auf einen Zettel festzuhalten, welche Traditionen und welche Werte in deinem Team existieren. Stelle dir dazu folgende Fragen:

  • Was ist typisch für uns?
  • Wieso wurde in einer schwierigen Situation so und nicht anders entschieden?
  • Welche Aktivitäten wiederholen wir? Und warum?
  • Haben wir Werte aufgeschrieben und wie haben wir diese definiert?

Wenn du es schaffst die wichtigsten Traditionen und Werte deiner Unternehmenskultur zu identifizieren, dann erst kannst du behaupten, dass du sie kennst. Viel wichtiger ist jedoch, dass du dann darauf einwirken kannst. Wenn du nicht zufrieden bist mit dem, was du herausgefunden hast, weißt du nun, wie du es Schritt für Schritt änderst. Tausche Traditionen aus, um gezielt emotionale Effekte zu bewirken oder führe neue Werte ein und lebe sie in Entscheidungen vor.

Viel Erfolg!

(Photo by Danielle MacInnes on Unsplash)

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